Faszination Fantasyromane

Die Abenteuer von Bardo nehmen ihren Anfang ...

Pergament

Fantasy

1

Das Wasser war so klar, dass Bardo bis auf den Grund des Flusses sehen konnte, und wenn er gewollt hätte, hätte er sich mühelos einen der vielen Fische greifen können, die schon seit Stunden sein Boot eskortierten. Doch Bardo hatte zurzeit keinen Sinn für Fische. Er musste unbedingt vor Einsetzen der Dämmerung sein Ziel erreichen, denn er fürchtete, es im Dunkeln nicht zu finden. Unermüdlich tauchte er das Stechpaddel in das silbern glitzernde Nass. Er war den Göttern dankbar, dass sie es so eingerichtet hatten, dass er die Sonne jetzt im Rücken hatte, so dass sie ihn nicht blendete. Er durfte auf keinen Fall die Stelle verfehlen, an der er an Land musste, sonst würde er zu viel Zeit verlieren.

Seit den frühen Morgenstunden paddelte er schon gegen die Strömung an; er hatte sich keine Pause gestattet und sein Proviantpaket nicht angetastet. Nur hin und wieder gönnte er sich einen Schluck aus dem Wasserschlauch. Wegen der großen Hitze hatte er schon bald die Lederrüstung abgelegt und saß seitdem nackt in seinem schlanken Kanu. Das war zwar nicht ganz ungefährlich, so völlig ungeschützt, aber er rechnete nicht damit, angegriffen zu werden. Immerhin herrschte seit fast zehn Jahren Frieden in Tolerland. Gefahr ging allenfalls von wilden Tieren, die ihm hier mitten auf dem Fluss aber nichts anhaben konnten, und Bösewichten aus, von denen er nicht wusste, ob sich in dieser Gegend überhaupt welche herum trieben, denn soweit nach Osten war er bisher noch nicht in die Wildnis vorgedrungen.

Bardo suchte mit seinen scharfen Augen das rechte Flussufer ab. Eigentlich musste er fast am Ziel sein. Der Pfad oder der Weg, was immer es auch sein mochte, war zwar angeblich deutlich gekennzeichnet, aber darauf wollte er sich lieber nicht verlassen. Der Wald wurde immer dichter, was ihm überhaupt nicht gefiel, denn wenn es doch jemand auf ihn abgesehen haben sollte, konnte derjenige sich gut verbergen und überraschend angreifen. Aber wer sollte es schon auf ihn abgesehen haben.

Die Sonne stand schon sehr tief, als er das große Holzschild entdeckte. Es hing an einem Ast und trug in großen schwarzen Lettern die Aufschrift »AM ENDE DIESES PFADES WOHNT KRAUTA – MIT IHR IST NICHT GUT KIRSCHEN ESSEN, WENN SIE OHNE TRIFTIGEN GRUND GESTÖRT WIRD«. Nun – Bardo war sich sicher, einen triftigen Grund zu haben, steuerte ans Ufer, sprang aus dem Boot, zog es an Land und legte seine Kleidung wieder an. Dann nahm er sein Gepäck, schulterte seinen Bogen und folgte dem unwegsamen Pfad in den Wald hinein. Wenn die Ausführungen seines Vaters stimmten, würde er in ungefähr einer halben Stunde sein Ziel erreichen, was auch dringend nötig war, denn es begann bereits zu dämmern.

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