Faszination Fantasyromane

Bardos Abenteuer in Tolerland gehen weiter ...

Pergament

– 1. Fortsetzung –

Als er die windschiefe Behausung auf der kleinen Lichtung erblickte, beschlich ihn ein mulmiges Gefühl. Plötzlich war er sich nicht mehr sicher, dass Krauta seine Ansicht teilen würde bezüglich des triftigen Grundes. Er ging vorsichtig auf die Eingangstür der Blockhütte zu, die doch größer war als es ihm zunächst vorgekommen war. Gerade wollte er anklopfen, als er von drinnen eine Stimme vernahm.

»Wer immer meinen Frieden stört, er möge reinkommen! Ich habe ihn längst gehört.« Es war eine tiefe, aber weiche, weibliche Stimme. Er öffnete die Tür und trat ein.

Die Behausung bestand aus zwei hintereinander liegenden Räumen. In der Mitte des ersten befand sich eine Feuerstelle, über der ein großer kupferner Kessel von den Flammen umzüngelt wurde. Es duftete köstlich, und Bardo wurde sich bewusst, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. An dem Tisch an der rechten Wand saß eine mittelgroße Frau mittleren Alters mit langen braunen Haaren in einem dunkelweißen Leinenkleid und hackte mit einem riesigen Messer Kräuter.

Sie blickte von ihrer Arbeit auf und betrachtete den Neuankömmling sorgfältig von Kopf bis Fuß, bevor sie ihn ansprach: »Ah – ein kräftiger junger Mann, komm doch näher, auf so einen wie dich warte ich schon lange. Hast du Hunger? Klar hast du Hunger; einen kleinen Augenblick noch, das Wildschweinragout ist gleich fertig. Ich muss nur noch die Kräuter dazutun und einmal kurz aufkochen lassen, mach es dir so lange bequem.«

»Ja«, war das Einzige, was er heraus brachte. Er stand da wie vom Donner gerührt ob der Wohlgeformtheit ihres Körpers, des strahlenden Leuchtens ihrer Augen und ihres wunderschönen, freundlichen Gesichts. Der nette Empfang passte überhaupt nicht zu dem warnenden Schild am Anfang des Weges. War er überhaupt im richtigen Haus? Während sie weiter hackte, schaute sie ihn auffordernd an, was ihn veranlasste, sich zusammenzureißen und sich auf den zweiten am Tisch stehenden Stuhl zu setzen.

»Ich bin Krauta, Heilerin und Kräuterhexe. Mit wem habe ich das Vergnügen?«

»Ich heiße Bardo. Mein Dorf schickt mich, weil wir Eure Hilfe brauchen. Bei uns . . .«

»Eins nach dem anderen«, unterbrach sie ihn, »nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Erst wird gegessen, und dann sehen wir weiter.«

Sie beendete das Hacken und warf die Kräuter in den Kessel. Mit einem großen Holzlöffel rührte sie um und wandte sich Bardo zu.

»Ich kann Euch doch nicht Euer Abendmahl weg essen«, meinte dieser.

Sie lachte. »Es ist reichlich da, mach dir darüber keine Sorgen, denn davon hast du wohl schon genug, wenn du den weiten Weg zu mir freiwillig unternimmst. Oder nicht?«

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