Faszination Fantasyromane

Bardo erzählt ...

Pergament

– 2. Fortsetzung –

Bardo nickte und wollte ansetzen, zu erzählen, aber sie unterbrach ihn erneut. »Nach dem Essen, habe ich gesagt, und dabei bleibt es.« Sie stand auf, ging zum Feuer, rührte das Ragout noch einmal um und schmeckte ab. »So, wir können essen.« Aus einem Regal holte sie zwei Keramikteller, füllte diese mittels einer Holzkelle mit Ragout und stellte sie auf den Tisch. Dann schnitt sie zwei Scheiben von einem groben, dunklen Brot ab und setzte sich.

Nach dem Essen – Bardo hatte noch zweimal Nachschlag bekommen – durfte er bei einem Becher Blauwein endlich den Grund seines Kommens erzählen.

»Wie ich schon sagte, schickt mich mein Dorf, um Eure Hilfe zu erbitten.«

»Ich habe dir ja schon gesagt, dass ich Krauta heiße, also bitte nicht so förmlich und gestelzt. Aus welchem Dorf kommt du denn?«

»Seedorf.«

»Das Seedorf am Diamantenen See?«

»Genau das. Kennt Ihr ... ich meine kennst du es?«

»Nur vom Hörensagen. Es war schon mal einer hier aus deinem Dorf. Er hatte schwere Brandverletzungen und wurde von mir geheilt. Aber das ist mindestens zehn Jahre her.«

Bardo lächelte. »Das war mein Vater. Ich zählte damals vierzehn Lenze, also ist es schon zwölf Jahre her. Er wurde von einem Feuerball getroffen, als er an der Seite unseres damaligen Königs Ordom gegen die Truppen des neuen Herrschers kämpfte, um dessen Machtübernahme zu verhindern.«

»Was leider nicht gelungen ist. Bracc hatte zu viele Zauberkundige in seinen Reihen, wie ich nicht nur von deinem Vater weiß. Ich möchte wissen, wo er die alle aufgetrieben hat und warum sie das böse Spiel mitgemacht haben.« Sie blickte sich vorsichtig um, so als fürchtete sie, dass die Wände Ohren haben könnten. »Aber jetzt erzähl mir erst mal von deinem Problem.«

Bardo nahm einen großen Schluck von dem kräftigen Blauwein und begann zu erzählen: »In unserem Dorf breitet sich eine unheimliche Krankheit aus, gegen die unser Heilmeister kein Mittel weiß. Jetzt sind schon die ersten Todesfälle aufgetreten, wir machen uns große Sorgen, viele Menschen trauen sich nicht mehr aus dem Haus aus Angst, sich anzustecken, einige sind so sehr in Panik geraten, dass sie das Dorf Hals über Kopf verlassen haben. Du bist unsere letzte Hoffnung; wenn du uns auch nicht helfen kannst, werden wir alle zugrunde gehen.« Während des Erzählens war seine Stimme immer zittriger geworden. Jetzt atmete er tief ein und aus und schaute verzweifelt in seinen leeren Becher.

Nachdem sie ihm nachgeschenkt hatte, stand Krauta auf, lief ein paar Mal in dem Raum auf und ab, ging dann in den hinteren Raum und kam mit einem leeren Blatt Pergament, Tinte und Feder wieder. Sie schaute ihn an. »Kannst du mir die Symptome beschreiben? Aber vergiss bitte nichts, jede Kleinigkeit kann wichtig sein. Denke genau nach!«

– hier geht's weiter ... –