Faszination Fantasyromane

Pergament

– 3. Fortsetzung –

»Ich will es versuchen. Also – es beginnt meistens damit, dass die Haut am ganzen Körper immer heller wird, so richtig hellweiß, gleichzeitig fühlen sich die Betroffenen schwach und müde. Nach ein paar Tagen tritt Blut aus ...«

»Wo?«

»Ganz verschieden, nicht irgendwie an festen Stellen, sondern mehr so insgesamt, ganz langsam mal hier und mal dort, direkt durch die Haut, es ist richtig gruselig. Manchen fallen die Zähne aus, anderen die Haare, noch wieder anderen die Fingernägel und die Fußnägel. Am Ende fallen alle in einen tiefen Schlaf. Und wie ich schon sagte, sind auch schon ein paar gestorben.«

Krauta notierte sich alles auf dem Pergament, sah ihn dann lange forschend an, wohl um festzustellen, ob er auch schon betroffen war. »Bist du noch in Ordnung? Fühlst du dich gesund?« Ja, er fühlte sich gesund, obwohl er das Gefühl hatte, dass der Blauwein langsam anfing zu wirken. Krauta verschwand wieder im hinteren Raum und machte sich dort irgendwie zu schaffen.

»Komm doch her und leiste mir Gesellschaft!« rief sie nach einer Weile. »Und bring den Wein mit! Es wird eine Weile dauern.«

Bardo staunte nicht schlecht, als er den Raum betrat, den Weinkrug in der einen und die beiden Becher in der anderen Hand. In dem Zimmer gab es – außer einem Bett und einem Tisch - eigentlich nur zweierlei Dinge: Bücher und Kräuterbündel, beides in Mengen, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die Bücher, die meisten mit Leder-, ein kleiner Teil aber auch mit Holzeinband, befanden sich in Regalen, die an allen vier Wänden bis zur Decke reichten, und die Kräuterbündel hingen an zahlreichen Schnüren, die unterhalb der Decke dicht an dicht von einer Wand zur gegenüberliegenden gespannt waren. Das Bett und der Tisch standen in der Mitte des Raumes. Auf dem Tisch stapelten sich auch noch einige dicke Bücher. Krauta hockte auf dem Boden und blätterte in einem großformatigen, dicken Wälzer, las ein wenig, schüttelte den Kopf, klappte das Buch zu und stellte es ins Regal zurück. Sie schaute Bardo an. »Was ist, willst du uns nicht eingießen?«

Er stellte rasch die Becher auf den Tisch und schenkte ein, während sie ein weiteres Buch aus dem Regal nahm. Er wunderte sich, dass sie überhaupt noch etwas erkennen konnte, denn mittlerweile war es fast ganz dunkel geworden, und die einzige Lichtquelle war das Feuer im vorderen Raum.

»Du hast recht, man sieht fast nichts mehr.« Konnte sie Gedanken lesen? Sie ging zum Feuer, entzündete darin einen Kienspan und brachte zwei Dutzend Kerzen zum Leuchten, die Bardo bis dahin übersehen hatte und die in Halterungen an den Wandregalen ungefähr einen Schritt über dem Boden steckten. »Nun wird es besser gehen.« Krauta blätterte mal in diesem, mal in jenem Buch, las mal hier einen Absatz, dann da ein paar Seiten, schüttelte immer wieder den Kopf, machte sich Notizen, nahm zwischendurch einen Schluck Blauwein und animierte auch Bardo zum Trinken, der sich angeboten hatte, beim Suchen zu helfen, obwohl er nicht wusste, nach was er hätte suchen sollen, aber sie hatte dankend abgelehnt, und so konnte er nur zuschauen, wie sie sich abmühte.

– hier geht's weiter ... –

Rabe